Rodney Graham und der Sattel der Wettiner Prinzessinnen
Blickwechsel: Schenkung Sammlung Hoffmann / Paraderäume
In den Paraderäumen steht ein Diaprojektor auf einem herkömmlichen hölzernen Schlitten. Es wird ein Abbild des zeremoniellen Prunkschlittens von König Ludwig II. von Bayern (1845–1886) in verzerrter Weise an die Wand projiziert. Durch die stetige Wiederholung des immergleichen Bildes und die Gegenüberstellung eines prachtvollen königlichen Gefährts mit einem schlichten, oft mit persönlichen Erinnerungen verbundenen Kinderschlitten, suggeriert die Installation des Künstlers Rodney Graham mit feiner Ironie, dass sich dieser bei eingehender Betrachtung – und mit den Mitteln kindlicher Phantasie – in eine königliche Kutsche verwandeln könne.
- Ausstellungsort Residenzschloss
- Laufzeit 09.09.2026—04.01.2027
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Öffnungszeiten
täglich
10—17 Uhr, Dienstag geschlossen
- Eintrittspreise regulär 18 €, ermäßigt 13,50 €, Schülerinnen und Schüler (unter 20 Jahre) 2 €, Kinder bis Schuleintritt frei, Gruppen ab 10 Pers. 16 €
Auch die Art,
Auch die Art, wie Graham sein Kunstwerk verbreitete, ist Teil des Konzepts: Es konnte für 20 Deutsche Mark über den Kunstverein München erworben werden. Dafür erhielt man ein Diapositiv und eine Postkarte mit der Anleitung zur eigenständigen Umsetzung der Arbeit. Indem Graham sein konzeptuelles Werk in hoher Auflage und zu einem bewusst erschwinglichen Preis anbietet, macht er zeitgenössische Kunst auf ungewöhnliche und kollaborative Weise zugänglich. Er torpediert den privilegierten Zugang zu Kunst und Kunstmarkt und nimmt das Verhältnis von materiellem und immateriellem Wert in den Fokus.
Im Dialog mit dem Sattel für ein Stubenpferd thematisiert das Werk Exklusivität und Zugänglichkeit, war dieser doch den sächsischen Prinzessinnen vorbehalten. Ein solcher Gabelsattel kam im späten 16. Jahrhundert auf und blieb bis ins frühe 20. Jahrhundert gebräuchlich. Denn im Kleid oder Rock auf ein Pferd zu steigen, erwies sich als durchaus schwierig; zudem galt es für Frauen als unschicklich, die Beine zu spreizen. Während die Prinzen das Stubenpferd rittlings bestiegen, erforderte der linkssitzige Mädchensattel eine seitliche Sitzposition: Der rechte Oberschenkel ruhte zwischen den beiden Hörnern, der linke Fuß steckte in dem (einzigen) Steigbügel. Auf diese Weise übten die Wettiner Prinzessinnen bereits im Kindesalter spielerisch jene Körperhaltung ein, die später auch beim Reiten auf einem Pferd von ihnen erwartet wurde.
Die Gegenüberstellung mit Rodney Grahams Installation verweist damit sowohl auf das kindliche Spiel als auch auf eine Gesellschaft, in der sich soziale Unterschiede in materiellen Dingen widerspiegeln, wie sich dies im Kunstmarkt zuspitzen mag und auch vor dem Museumsbetrieb nicht Halt macht, wenn es um Teilhabe geht.
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Reihe Blickwechsel
Die Schenkung Sammlung Hoffmann lässt zeitgenössische Werke mit den Objekten der unterschiedlichen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in einen Dialog treten, um für die heutigen wie die historischen Exponate neue Betrachtungsweisen und Bedeutungsebenen zu öffnen.




