Auf einem Poster steht auf rotem Grund der Satz "Wir erinnern uns nicht". Das Werk gehört zu einer wichtigen Riehe des Künstlers Felix Gonzalez-Torres.
Sammlung Hoffmann, Berlin © Estate Felix Gonzalez-Torres, Courtesy of The Felix Gonzalez-Torres Foundation; Foto: Anja Schneider.

Felix Gonzalez-Torres und die Spuren des Erinnerns

Blickwechsel: Schenkung Sammlung Hoffmann / Porzellansammlung im Residenzschloss

Im Turmzimmer der Festetage des Dresdner Residenzschlosses liegt ein kniehoher Posterstapel. Die „paper stacks“ – die von den Besuchenden mitgenommen werden können – sind eine wichtige Werkgruppe des Künstlers Felix Gonzalez-Torres. Sie gehen aus seiner Kritik an der Vorstellung hervor, dass Kunstwerke unveränderliche und stets wertvolle Objekte sind. Mit seinen präzisen Bodenskulpturen aus exakt aufeinandergelegten Papieren nimmt der Künstler auf die objektbezogene Kunstrichtung des Minimalismus Bezug. Der zentrale Satz „Wir erinnern uns nicht“, der auf diesem Werk abgedruckt ist, stammt wohl aus einem deutschen Pressebeitrag der Wendejahre. Das darin formulierte Verschwinden von Erinnerung korrespondiert mit dem allmählich schrumpfenden Werk. Doch woran erinnern wir uns nicht? 

  • Laufzeit 22.07.2026—12.10.2026
  • Öffnungszeiten täglich 10—17 Uhr, Dienstag geschlossen
  • Eintrittspreise regulär 18 €, ermäßigt 13,50 €, Schülerinnen und Schüler (unter 20 Jahre) 2 €, Kinder bis Schuleintritt frei, Gruppen ab 10 Pers. 16 €

Im Porzellankabinett

Im Porzellankabinett des Turmzimmers, dessen Raumausstattung beim Bombardement Dresdens verloren ging und das basierend auf Plänen, Zeichnungen und Fotografien rekonstruiert wurde, gewinnt die knappe Textbotschaft eine historische Dimension. Zwar war das Porzellan während des Zweiten Weltkriegs ausgelagert worden, hat sich aber durch die Wirren der Nachkriegszeit nur in Teilen erhalten. Die bei der heutigen Rekonstruktion des Raumes freigebliebenen Konsolen verweisen damit auf Objekte, deren Abwesenheit im Laufe der Zeit Teil der Geschichte geworden ist. Hier knüpft Gonzalez-Torres’ Arbeit an und thematisiert die gesellschaftlichen Mechanismen des Erinnerns. Damit öffnet sich ein Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Auslöschung, kollektiver Erinnerung und Verdrängung. So lässt dieses Zwiegespräch die Rekonstruktion des Schlosses nicht als Wiedergewinnung historischer Pracht erscheinen, sondern als vielschichtigen Ort historischer Brüche, an dem sich die wechselvolle Geschichte Dresdens überlagert.

Reihe Blickwechsel

Die Schenkung Sammlung Hoffmann lässt zeitgenössische Werke mit den Objekten der unterschiedlichen Museen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in einen Dialog treten, um für die heutigen wie die historischen Exponate neue Betrachtungsweisen und Bedeutungsebenen zu öffnen.

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