Ana Mendieta und die Metamorphose der Daphne
Blickwechsel: Schenkung Sammlung Hoffmann / Grünes Gewölbe
Wenn wir im ersten Raum des Neuen Grünen Gewölbes mit den prächtigen Silber- und Goldschmiedearbeiten stehen, die Fotografie Silueta Tehuana betrachten und im Pflanzenbewuchs eine menschliche Figur erkennen, scheint es, als stünden wir selbst in der sandigen Landschaft, gebeugt über den Umriss Ana Mendietas. Wie für die Land Art der 1960er und 70er Jahre typisch, entstanden die Arbeiten der Künstlerin im engen Austausch mit Natur und Topografie, zunächst in Iowa und später in Mexiko. Während Mendieta in frühen Werken ihren eigenen Körper in die Landschaft integriert und von anderen fotografieren lässt, arbeitet sie ab 1975 mit der Silhouette ihres Körpers.
- Ausstellungsort Residenzschloss
- Laufzeit 11.11.2026—12.04.2027
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Öffnungszeiten
täglich
10—17 Uhr, Dienstag geschlossen
Freitag
10—19 Uhr
Buß- und Bettag,
18.11.2026
10—17 Uhr
- Eintrittspreise regulär 18 €, ermäßigt 13,50 €, Schülerinnen und Schüler (unter 20 Jahre) 2 €, Kinder bis Schuleintritt frei, Gruppen ab 10 Pers. 16 €
Diese formt sie durch Abdrücke
Diese formt sie durch Abdrücke in Erde oder Sand oder modelliert sie aus organischen und anorganischen Materialien wie Stein, Moos, Gras, Blumen, Blut oder Schießpulver. Mendieta bezeichnete diese Werke als Earth-body Works – als Ausdruck einer symbiotischen und spirituellen Verbindung zwischen Körper und Natur.
Nach ihrem frühen Tod 1985 unter ungeklärten Umständen war die Künstlerin zunächst vergessen, doch wurde sie posthum zur Symbolfigur von Aktivistinnen, die eine Revision des Kanons der bildenden Kunst forderten. Sie skandierten vor Museen Slogans wie „Wo ist Ana Mendieta?“ und wiesen damit am Beispiel der im Vergleich zu ihrem Mann Carl Andre deutlich weniger präsenten Künstlerin auf die Dominanz männlicher Künstler in den Museen hin. Die Arbeiten Ana Mendietas wurden erst seit den 1990er Jahren einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt und gewürdigt.
Im Dialog mit der Silberschmiedearbeit der „Daphne“ des Nürnberger Goldschmieds Abraham Jamnitzer, regen die beiden Fotografien Ana Mendietas zum Nachdenken an. Das vom römischen Dichter Ovid überlieferte Schicksal dieser Figur der antiken Mythologie war den gebildeten Zeitgenossen Jamnitzers wohl bekannt: Der von Begierde getriebene Apoll stellt der Nymphe nach, die in ihrer Not ihren Vater, den Flussgott Peneus, um Hilfe anfleht. Dieser verwandelt sie in einen Lorbeerbaum, um sie so dem Drängen Apolls zu entziehen. Die auf der Flucht hochgestreckten Hände der Nymphe im Pokal der Daphne sind schon mit den Korallenzinken verästelt, ihre Verwandlung in einen Baum hat bereits begonnen. Auch Ana Mendieta inszeniert in ihrer Serie immer wieder den Prozess der Auflösung, Verschmelzung und Verwandlung. Daphne wird buchstäblich zur Natur, ein Mythos, der auch bei Mendieta anklingt, wenn sie ihren Körper symbolisch in die Landschaft integriert. Die Silhouetten erscheinen als flüchtige Spuren eines Körpers, der nicht mehr greifbar, aber dennoch anwesend ist – wie Daphne nach ihrer Metamorphose. Der Daphne-Mythos kann hierbei auch als Geschichte des Widerstands gegen männliche Vereinnahmung gelesen werden. Ähnlich verweigert sich Mendieta dem männlich dominierten Kunstkanon ihrer Zeit, indem sie mit vergänglichen Materialien und nicht-kommerziellen Medien arbeitet. Ihre Werke setzen nicht auf Monumentalität, sondern auf Zerbrechlichkeit und Rückbindung an Erde und Ursprung. Im Zusammenspiel von Fotografie und dreidimensionalem kunsthandwerklichem Objekt lässt sich der Mythos in dieser Gegenüberstellung neu lesen: Die weibliche Figur verwandelt sich nicht zur Ausflucht, sondern als Akt der Selbstermächtigung, als Rückkehr zur Erde, zur Geschichte und zur eigenen, vielschichtigen Identität
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